Bilder-Lizenzen und ein Buchstaben-Code – das musst Du wissen!

Der Chemie-Nobelpreis 2020 geht an zwei Frauen für die Entdeckung der Genschere CRISPR/Cas. Herzlichen Glückwunsch!
Da hier sowohl mein Biologinnen- als auch mein Chemikerinnen-Herz natürlich höher schlug, wollte ich mehr darüber erfahren. Ich durchforstete eine Menge Websites, ich las viele Texte und klickte unzählige Bilder an – und da fiel mir etwas auf! Auf manchen Websites öffnete sich nach einem Klick auf das Bild nicht nur das Vollbild, sondern auch zusätzlich ein kleines Fenster mit Lizenz- und Urheberrechtsbedingungen. Am Anfang habe ich dieses kleine Fenster unüberlegt weggeklickt. Aber was ist, wenn ich gerade dieses Bild so toll finde, dass ich es im Unterricht zeigen möchte? Reicht es, die Lizenzbedingungen zu lesen und einfach weg zu klicken (wie es wohl auch die meisten bei den AGB‘s machen)?

Wenn ich schon so frage: Nein!

Was hinter dem Buchstaben-Code CC-BY-NC steckt und was es sonst noch zu beachten gibt, wenn ihr ein Bild z.B. im Unterricht verwenden wollt, erfahrt ihr hier.

Lizenzfrei- hin oder her. Die Urherber freuen sich immer ihren (Künstler-)Namen unter dem Bild zu lesen.
– AbsolutVison für unsplash

CC-BY-NC – „das klingt nach Computersprache…“ – dachte ich noch zu Beginn meiner Recherchen. Aber ich muss zugeben, es ist gar nicht so kompliziert wie es aussieht.

Fangen wir aber ganz von vorne an: Angenommen Du machst ein Foto – von deiner Schildkröte im Tutu oder so. Ab diesem Moment liegen alle Rechte dieses Fotos bei dir selbst (außer deine Schildkröte demonstriert für ihre Rechte als abgebildetes Objekt – aber das ist eine andere Geschichte). Du bist der Urheber dieses Bildes, d.h. keiner darf ohne deine Zustimmung dieses Bild weiterverwenden, ändern oder es sogar verkaufen (womit deine Schildkröte vielleicht berühmter werden würde als Du). Du besitzt damit die Recht an diesem Bild – das sogenannte copyright © (auch bekannt als „Alle Rechte vorbehalten“)*.

Kleine Randnotiz: Vom Urheber-Recht sind Tiere ausgeschlossen.
D.h. hätte deine Schildkröte das Bild selbst geschossen,
dann fällt dieses Bild nicht unter das Urheberrecht
und ist somit für alle frei zugänglich.

Wenn Du nun aber beschließt, dass auch andere Leute sich an dem Foto erfreuen dürfen und dies in ihrem Verwandtenkreis zeigen wollen oder im Unterricht zum Thema „Evolution (und ihre Herausforderungen 😀 )“, dann kannst Du Lizenzen für das Bild geben. Und ab hier kommt der Buchstaben-Code ins Spiel:

Ab dem Moment, wo Du dich dazu entscheidest, dass dieses zuckersüße Bild von anderen verwendet werden darf, vergibst Du für dieses Bild sogenannte Creativ-Common-Lizenzen (kurz: CC-Lizenzen).

Es gibt insgesamt 7 CC-Lizenzen, zwischen denen Du dich entscheiden musst. Diese 7 CC-Lizenzen sind dann durch einen bestimmten Buchstaben-Code gekennzeichnet. Aber bevor Du jetzt gleich nicht mehr die einzelnen Buchstaben vor lauter Buchstaben-Suppe siehst, kommen wir erstmal zu der Bedeutung der einzelnen Buchstaben-Paare:

  1. BY: Hier muss der Name des Urhebers angegeben werden – also Dich und am besten noch mit Datum und woher sie das Bild haben.
  2. NC: Ist dieses Buchstaben-Paar angegeben, dürfen die Leute dein Bild nicht an Dritte verkaufen (oder willst Du, dass jemand für deine Schildkröte Kröten bekommt? Ha. Ha.)
  3. ND: Das wird vor allem dein Haustier freuen – Die Leute dürfen das Bild zwar verwenden, aber nicht verändern, d.h. bearbeiten. Sonst trägt deine Schildkröte vielleicht Hasenohren und das sähe nun wirklich lächerlich aus.
  4. SA: Hast Du einmal die Lizenzen festgelegt, dürfen die Leute die Lizenzen für dieses Bild auch nicht ändern, wenn Du dieses Buchstaben-Paar verwendest.
  5. CC0 (Public Domain): Die „null“ bedeutet hier so viel wie „die Leute dürfen damit machen, was sie wollen“ – den Urheber verheimlichen, verkaufen, bearbeiten und die Lizenzen ändern.
    Kurz gesagt: vergibst Du eine CC0-Lizenz, hängt deine Schildkröte mit Hasenohren über dem Sofa einer wildfremden Person und jemand anders hat dafür Geld bekommen, da er seinen Namen darunter gesetzt hat. OK – das ist der Worst Case, aber es verdeutlicht das Szenario ganz gut.

Aus diesen 5 Buchstaben- (und Zahlen-)Paaren können sich nun durch Kombination die 7 möglichen CC-Lizenzen ergeben:


CC-BY
CC-BY-SA
CC-BY-NC-ND
CC-BY-NC-SA
CC-BY-NC
CC-BY-ND

CC0

Zu kompliziert? Dann versuche ich noch auf die bildliche Art und Weise, die Buchstaben-Suppe auszulöffeln.


©Vanessa Leistle (also Finger weg – außer Du fragst mich! 😛 )

Ich denke, jetzt ist es allen klar, oder?
Ein kleiner Test: Kann sich eure Schildkröte freuen, wenn CC-BY-NC unter dem Bild steht?
*tick tack tick tack*
Na, ist doch ganz klar: Sie kann sich freuen! Denn Urheber-Name, Datum und „Fundort“ müssen angegeben werden und es darf nicht weiter verkauft werden. D.h. sie wird zu keiner Wanddeko.

So und nun: Zettel und Stift parat für den alles entscheidenden, zusammenfassenden und total wichtigen Schlusssatz?

„Bevor ihr ein Bild aus dem Internet (oder total oldschool, aus einem Buch) verwenden wollt, schaut Euch die Lizenzen für genau dieses Bild an und handelt danach!“

Somit wäre nun alles in Butter, die Schildkröte kann nun glücklich weiter tanzen (ohne Angst zu haben, mit Hasenohren über einem Sofa zu hängen) und ich suche weiter nach einem CC0-Bild für die Nobelpreis-Genschere – sicher ist sicher!

Achso, wollt ihr noch ein paar coole Internet-Seiten wissen, wo es coole Bilder mit CC0-Lizenzen gibt?
Dann will ich Kröten sehen. Also Schildkröten. In den Kommentaren.
Ab 5 Schildkröten gibt‘s eine Liste! (Ja, ok. Ab 3)

Ohh stimmt – da oben war ja noch ein Sternchen:
*In Deutschland wird zwischen Urheberrecht und copyright unterschieden – das Urheberrecht ist nicht veräußerbar. D.h. Du bist und bleibst dein Leben lang der Urheber dieses Bildes, auch wenn Du’s vielleicht gar nicht mehr sein magst, weil Dir deine Schildkröte irgendwann zu peinlich wird oder so. Tja, um das Urheberrecht verkaufen zu können müsstest Du auswandern, da es in anderen Ländern, z. B. in der USA, andere Regelungen gibt.


Quellen:
www.creativecommon.net
www.lehrerfortbildung-bw.de
www.schulbuchkopie.de
www.arminhanisch.de



Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.